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Spielberichte > Herren I
„Schinke setzt Meilenstein“
SV Fortuna Ballenstedt – Burger VC99 3:2 ( -22, -25, 18, 26, 9 )
Der eingewechselte zweite Zuspieler der Fortunen, Stefan Schinke, war es, der in fast aussichtsloser Lage das Ruder zu Gunsten der Ballenstedter herumriss und somit die Niederlage vor Augen, das Spiel doch noch in einen knappen 3:2 Sieg umwandelte.
Beim Abschlusstraining am Freitag, welches eher ruhig ausfiel, nahm man sich in einer einstündigen Videoanalyse aus dem Hinspiel die Zeit, einige taktische Sachen zu besprechen, um aus den Fehlern der verlorenen zwei Sätze zu lernen. Als die letzten Spieler gegen 22:30 die Turnhalle verließen, war in den Gesichtern nur noch Zuversicht und Willensstärke zu erkennen und Trainer Steffen Böse zeigte sich hoch zufrieden, alle auf das bevorstehende Spitzenspiel in Burg optimal vorbereitet zu haben.
Im Nachhinein sollte sich dies als Fehlinterpretation herausstellen, denn das, was die Harzer in den ersten beiden Sätzen zeigten, war „Angsthasenvolleyball“ vom Feinsten.
Kaum ein Spieler erreichte halbwegs Normalform. Eine in dieser Saison noch nie so vorhandene Nervosität lies Annahme, Zuspiel, Angriff, Aufschlag, Blockarbeit oder Feldabwehr zu Fremdwörtern verwaisen. Das, was dem Ballenstedter Spiel fehlte, gelang auf Burger Seite nahezu problemlos. Mit einer fast perfekten Annahme und einer bärenstarken Abwehrleistung, mit der selbst scheinbar unmöglich erreichbare Bälle noch vom Hallenboden gekratzt wurden, kauften die VC`ler den Harzern zum Jubel der fast 150 Zuschauer komplett den Schneid ab. Kapitän Tilo Hinz konnte gar nicht begreifen was hier gerade geschah: „Wir haben doch nicht mit einem mal alle das Volleyballspielen verlernt, jetzt fasst euch endlich mal alle an den Hintern und kämpft!“, versuchte er seine Mitspieler letztmalig zu motivieren.
So stand der bis dato ungeschlagene Tabellenführer nach einer knappen Stunde mit 0:2 Sätzen mit dem Rücken zur Wand und die ca. 20 mitgereisten Fans hinterfragten sich berechtigter Weise, ob die ungeschlagene Serie heute wirklich reißen sollte.
Zum Glück für den SV stellte der Gastgeber im dritten Durchgang plötzlich das Volleyball spielen ein. Man hatte fast den Eindruck, dass die 99er mit den zwei gewonnen Sätzen irgendwie gesättigt waren. Anders lies sich die jetzt hohe Fehlerquote der Burger nicht erklären, denn die Fortunen wurden keinesfalls besser. Doch Gegner lies Ballenstedt einfach gewähren, wodurch sich endlich mehr Sicherheit einstellte. Eine erfolgreichere Aufschlagquote und mehrere gute Blockaktionen bescherten den ersten Satzgewinn für den SV.
Bis zum 8:8 im vierten Satz sah alles noch gut aus. Dann wurde es richtig hitzig: das sicher aufgrund der Brisanz etwas unsicher wirkende Schiedsrichtergespann fällte nun oftmals sehr strittige Entscheidungen, was die Emotionen auf dem Spielfeld auf beiden Seiten zum Kochen brachte. Als dann Libero Fabian Ritter zur Verwunderung aller beim Stand von 14:11 für den Burger VC auch noch die gelbe Karte sah, was gleichzeitig Punkt und Aufschlagverlust zur Folge hatte, lagen die Nerven blank. Beim Stand von 19:22 aus ballenstedter Sicht, musste man mit ansehen wie die Auswechselbank der Ihlestädter bereits geschlossen im Taumel des sicheren Sieges zum Jubeltanz anstimmte. Jetzt zog das Trainergespann Steffen Böse und Ralph Kalisch die letzte Option und brachte mit Stefan Schinke den zweiten etatmäßigen Zuspieler, um vielleicht doch noch das sogenannte „Ruder herum zu reißen“, denn viel hatte man nicht mehr zu verlieren. Dem Tabellenführer gelang so zwar der Ausgleich zum 23:23, doch Burg hatte den ersten Matchball. Dieser konnte jedoch erfolgreich abgewehrt werden, um dann selbst drei eigene Satzbälle zu haben, ehe man den so nicht mehr erwarteten 2:2 Ausgleich erzielte.
Eingefleischte Statistiker wissen, dass der SV Fortuna Ballenstedt seit nun mehr fast 2 Jahren keinen Tiebreak im Punktspielbetrieb verloren hat. Aber wie lange hält eigentlich solch eine Serie?
Der SV Fortuna Ballenstedt nun mit breiter Brust aufspielend, drehte jetzt richtig auf und der Burger VC99 schien psychologisch angeknackst. Hauptangreifer Thomas Wischmann bis zu diesem Zeitpunkt gehandicapt unglücklich spielend, verwertete jeden Pass von Zuspieler Stefan Schinke, den Rest der Burger Angriffe pflückte Mittelblocker Steffen Hendrysiak, der einer der besten und konstantesten im gesamten Spiel war, von der Netzkante und somit drehte Ballenstedt das fast schon verloren geglaubte Spiel im Tiebreak zu seinen Gunsten und gewann mit 3:2 das Spitzenspiel des 11. Spieltages. Somit baut der SV seinen Vorsprung auf 4 Punkte zu allen Verfolgern aus.
Gästetrainerin Jessica Postolla musste nach dem Spiel anerkennen, dass der Gast aus dem Harz im Tiebreak eben eine Macht ist. Auf Anfrage bei Fortunas Spielern ergab sich eine einstimmige Schlussfolgerung, warum so oft erst im entscheidenden fünften Satz das eigentliche Potenzial des doch seit mittlerweile im dritten Jahr in derselben Formation zusammen spielenden Teams aufgezeigt wird. „Es ist vermutlich der Nervenkitzel, welcher die ganze Mannschaft anspornt zum rechten Zeitpunkt hellwach zu sein“, begründet Mittelblocker Torsten Kreßer die Leistungsexplosion. Ein weiterer Meilenstein Richtung Meisterschaft ist damit geschafft und in Vorbereitung auf das nächste anstehende Spiel am 14.01.12, um 17:00 beim USV Halle I, lädt der Verein am Freitag den 13.01.12, ab 19:30 alle Anhänger in die Wolterstorff-Halle ein, wenn der SV ein Trainingsspiel gegen den befreundeten MLV Einheit Magdeburg bestreitet, welcher selbst mit Aufstiegsambitionen am nächsten Wochenende in die Rückrunde der Landesklasse/Nord startet.
Es spielten: Tilo Hinz, Thomas Wischmann, Robert Hecklau, Daniel Jeschok, Steffen Hendrysiak, Torsten Kreßer, Fabian Ritter, Stefan Schinke, Thomas Pawelke, Sven Eichmeyer, Mike Fricke